DER SCHWEISSDRUESEN-VEROEDUNGSSTAB
Der Schweißdrüsenverödungsstab (The Sweat Gland Obliteration Wand) is an unfinished, illustrated dystopian online novel. It is a satirical dystopia that explores the intersection of corporate power, consumer culture, and authoritarian thinking.
Set within the fictional Hamster AG, a global market leader in devices designed to eliminate human sweat glands, the narrative portrays a corporate world in which military hierarchies, managerial jargon, and commercial propaganda have become virtually indistinguishable. When a competitor introduces a technologically superior product, the ensuing corporate crisis exposes the vanity, insecurity, and absurdity underlying the organisation's carefully cultivated image of efficiency and success.
Through caricature, dark humour, exaggerated dialogue, and deliberately absurd scenarios, the novel examines the mechanisms of conformity, institutional power, and the commercialisation of social norms. It fuses corporate capitalism with the aesthetics and language of militarism. Shoulder pads become military insignia, executives behave like generals, and management consultants assume an almost messianic authority. The humour comes from treating an increasingly absurd system as perfectly normal. In the tradition of political and social satire, the writing has a theatrical and borderline grotesque quality, particularly in its character names and staged dialogue.
THE NOVEL
The novel was written in German between 2007 and 2010, with illustrations by Kris Kind, the project was conceived as a serialised online novel and remains unfinished.
Im Hintergrund, theatralische Musik. Jene Art melodischer Hintermalung die beabsichtigt beim Zuseher bestimmte Stimmungen zu erzeugen, ihm heißkalte Energieschübe durch den Körper zu jagen, auf seine Tränendrüsen zu drücken. Im Bild, ein Junge in präpubertärem Alter. Aufgeregt rennt er auf eine Frau zu, die im sonnendurchfluteten Wohnzimmer Staub wischt. Sie, offensichtlich aus einer Hochglanzzeitschrift entsprungen, schaut erquickt drein, als sie den Jungen auf sie zulaufen sieht. „Mama, Mama!”, schreit der Junge und hebt seinen rechten Arm, “Sieh doch mal! Ich hab' einen Schweißfleck entdeckt!“. Die junge Mutter bückt sich zur Achselhöhle ihres Sohnes hinunter, verzieht ihre Mundwinkel und rümpft die Nase. Aus einer Tasche ihrer perfekt gebügelten Schürze zieht sie eine Lupe heraus, so als wäre es ein Zaubertrick. Das Instrument an seine Achselhöhle haltend ist es für sie nun klar sichtbar: Ein mikroskopisch kleiner runder Fleck. „Ach mein Sohn! Da haben wir wohl eine Schweißdrüse übersehen!“, schnauft sie leicht verzweifelt, doch sogleich erheitert sich ihr Gesicht, denn während sie einen eleganten schwarzen Stab in Größe einer Füllfeder aus ihrer anderen Schürzentasche zuckt, entkleidet sich der Junge. An der bare Haut seiner Achselhöhle, produziert die Spitze des Stabes ein elektrifizierendes Geräusch. „Aua!“ schreit der Sohn und verzerrt sein Gesicht, doch seine Mutter tröstet ihn sogleich mit den Worten: „Schönheit und Reinlichkeit sind alles Leid wert!“ Das Werk ist erledigt, der Schmerz versiegt, Mutter und Sohn liegen sich lachend in den Armen. Das Bild wird ausgeblendet. Über schwarzem Hintergrund wird in großen, fetten, roten Lettern, das Wort Schweiß-Drüsen-Verödungs-Stab eingeblendet. Buchstabe für Buchstabe. Die Stimme eines Ansagers erklingt:„Schweißdrüsenverödungsstab, für ein geruchsfreies und fleckenfreies Leben.“ Kurz darauf eine andere Stimme in dreifachem Sprechtempo: „Über Wirkung und mögliche Nebenwirkungen informieren sie Gebrauchsinformation, Arzt oder Apotheker.“
„Bravo, Bravo!“ jubeln die Männer und Frauen im Sitzungssaal und klopfen zwecks Untermauerung ihres Zuspruchs auf den langgestreckten ovalen Tisch. Ihre Blicke richten sich weg vom Bildschirm hin zu dem Mann mit den breitesten aller Schulterpolster, dem Generaldirektor Georg Walter Rosenbusch. Er sitzt am Tischende. Unter dem Druck des angespannten Schweigens erhebt er sich und verlautbart ohne jeglichen Hauch von Emotion: „Kameraden, Sie haben ausgezeichnete Arbeit geleistet!“ Aufatmend und jubelnd springen die uniform gekleideten Damen und Herren unterschiedlichster Schulterpolstergrößen auf, klatschen sich gegenseitig in die Hände und gratulieren einander für die hervorragend geleistete Arbeit. „Fleiß ohne Schweiß!“ hört man aus allen Richtungen...
Georg Walter Rosenbusch sitzt in seinem Büro und spielt nervös mit einem Kugelschreiber. Klick, die Miene ist drinnen, klick, die Miene ist draußen, klick... Vielleicht hätte er doch nicht auf seinen Berater hören sollen. Dieser Claude Rüdiger von Wunderbar! Der hat ihm das schließlich eingebrockt. Angewidert von dem Gedanken an diesen Mann, wirft Rosenbusch den Kugelschreiber gegen die Wand. Die Wand, diese Wand! Wehmütig streift des Generaldirektors Blick die Wand neben ihm. Heilig ist sie ihm.
Zugepflastert mit eingerahmten Titelblättern renommierter Zeitungen, auf denen ausschließlich sein Bild erscheint, starrt die Wand zurück als wollte sie ihn ermahnen. Ruckartig, wendet er sich ab, stößt sich aus seinem Sessel und schreitet mit hochgezogenen Schultern und gesenktem Haupt zum Fenster. Noch muss G.W.Rosenbusch sich an sein neues Büro gewöhnen. Im alten Betriebsgebäude hatte sein grosses Büro nur ein kleines Fenster. Hier aber ist eine ganze Wand, von der Decke bis hin zum Boden aus Glas. Ein tiefes durchatmen, ein verlorener Blick aus dem Fenster über die flachen Weiten der Donau. Unten auf der Strasse, wirken die Menschen wie geschäftige Ameisen, die Autos, ja selbst Kräne, wie harmloses Spielzeug. Klein und unbedrohlich.
Ob man schon hinter seinem Rücken munkelt? Sein Gesicht verzerrt sich als wäre ihm ein Ziegelstein auf den Fuß gefallen. Schließlich ist er bereits seit über drei Jahren Generaldirektor des Konzerns, dennoch sind die Gewinne der Hamster AG in diesem Zeitraum kaum gestiegen! Zwar ist seine Firma noch Weltmarktführer, doch das ist blos der Leistung von Ladislaus Amadeus Hamster dem XVII zu verdanken. Ja, Ladislaus Amadeus Hamster, Träger zahlreicher internationaler Unternehmenspreise, sowie des Staatspreises für besondere Verdienste an die Republik. Wird er diesem grossen Mann je das Wasser reichen können?
Rosenbusch greift sich an die Brust. Ein kühles Metall zwischen den Fingern, die raue Oberfläche, mal rund, mal kantig, weckt in ihm warme Erinnerungen. Das waren noch Zeiten, als Ladislaus Generaldirektor war und er, Georg Walter, als aufstrebender junger Mann seinen ersten Orden verliehen bekommen hat. Mit den Worten: “Ich bin stolz auf Sie”, hatte ihm Ladislaus Amadeus Hamster vor der gesamten Belegschaft diesen Orden an die Brust gesteckt. Was für ein Moment! Was für ein Augenblick! Heute aber lässt die Anzahl seiner am Jackett hängenden Orden für einen Mann seines Ranges zu wünschen übrig, und in der Hall of Fame der Hamster AG hängt sein Bild immer noch nicht! Mit hochgezogenen Schultern greif sich Rosenbusch auf den Kopf, so als wollte er sich vor sich selber verstecken. Was werden die Menschen blos über ihn denken, wenn er nicht bald eine heroische Leistung erbringt um seinen Konzern noch grösser und noch bedeutender zu machen? Was? Was?!
Noch, muss er nichts befürchten, aber bald, ja bald, wenn nicht bald etwas geschieht, dann könnten die Leute über ihn reden. Diese schnatternden Aasgeier, die immerzu nach einem Opfer suchen über das sie herfallen können! Paranoid ist er, dessen ist er sich durchaus bewusst, auch schämt er sich dafür, denn es ist ein Zeichen von Schwäche, Unsicherheit zu verspüren oder gar zu zeigen. Er muss etwas machen, muss unbedingt etwas unternehmen! Doch wie? Schließlich hat er seine gesamte Arbeit delegiert. Im Zeitalter des Bottom-up, in der die Mitarbeiter zunehmend mehr Entscheidungsverantwortung haben, bleibt wohl für den Generaldirektor nicht mehr zu tun als in die Kamera zu lächeln, Hände zu schütteln und Verträge zu unterzeichnen. Das ist es ja! Das ist das Übel das an seiner Misere Schuld ist. Als Ladislaus noch Generaldirektor war, gab es kein Bottom-up!
Entschlossen schreitet Rosenbusch auf seinen Schreibtisch zu, greift zur Fernbedienung und schaltet den Bildschirm ein. Die neue Propagandakampagne! Alles steht und fällt nun mit dieser Kampagne. Um sicher zu gehen, dass der neue Werbespot auch wirklich ein durchschlagender Erfolg wird, sieht er ihn sich immer und immer wieder an, und je öfter er das tut, desto besser gefällt ihm der Spot. Wieder druckt er auf ‘play’. Die adrette Frau im sonnendurchfluteten Zimmer, die Tragik des Schweissflecks, die Lösung und das Happy End. Zwar entspricht dieser Werbespot nicht seinem Geschmack, aber er, Georg Walter Rosenbusch, gehört ja auch nicht zum gemeinen Volk. Abermals druckt er auf ‘play’ doch ein elektronischer Klingelton unterbricht seine Aufmerksamkeit. Sein Telefon! Sein Telefon läutet! Schon lange hat sein Telefon nicht mehr geläutet! Der Generaldirektor greift hastig in die Tasche seines Jacketts, muss jedoch feststellen, dass es sich bloß um die Erinnerungsfunktion für die stündlichen Börsennachrichten handelt. Enttäuscht greift er zur Fernbedienung, zappt auf den Nachrichtenkanal.
Hamsters Börsenkurs, so verlautbart die Stimme des Nachrichtensprechers, sei wieder einmal leicht gestiegen. Mit einem zufriedenen Schmunzeln lehnt sich Rosenbusch in seinen dunkelbraunen Ledersessel und holt tief Luft. Aber kaum hat er sich entspannt, spring er wieder auf und eilt auf einen Panzerschrank zu, der im rechten hinteren Eck seines Büros steht. Ein kleines Vorhängeschloss hält die dreifach um den Schrank gewickelte grossmaschige Eisenkette zusammen. Wie ein kleiner Junge unter dem Weihnachtsbaum, öffnet der Generaldirektor den Schrank. Seine geliebten Pakete! Grosse hellbraune Pakete, fein säuberlich übereinander gestapelt. Wieder sind sie um ein paar Zentimeter gewachsen. Rosenbusch erkennt deutlich den Unterschied zum letzten mal. Bald, ja bald, wird er sich einen größeren Schrank kaufen müssen.
Donald Schlachtfeld betritt strammen Schrittes das Büro des General-direktors, schnalzt die Schuhe heftig gegeneinander und baut seine imposant gepolsterten Schultern vor Georg Walter Rosenbusch auf: „Fleiß ohne Schweiß Herr Direktor!“
Rosenbusch, der vor einer Wand voller Überwachungsmonitore steht, hebt halbherzig zur Begrüßung seinen rechten Arm. „Fleiß ohne Schweiß Schlachtfeld”, antwortet er sichtlich unmotiviert, ohne seinen Blick zu erheben. „Ach, Schlachtfeld. Wann wird das wohl aufhören? Kann man denn gar nichts dagegen unternehmen?“ sagt er und zeigt abfällig zu jenem Monitor, in den er schon die ganze Zeit blickt. Donald Schlachtfeld schaut nun auch hinein und sieht wie eine Gruppe von etwa fünfzig Frauen und Männern vor den Toren des Konzerns mit Transparenten und Ausrufen wie 'Schweiß ist gut!', 'Ich will schwitzen können dürfen!', und 'Es lebe die Schweißdrüse!' demonstrieren.
“Da muss man doch etwas dagegen tun koennen!” schreit der Generaldirektor aufgeregt, aber Donald Schlachtfeld schüttelt nur den Kopf und erwidert nüchtern: die Demonstration sei angemeldet, polizeilich erlaubt, dagegen könne man nun mal nichts tun. Angewidert vom Anblick der Demonstranten wendet sich Rosenbusch ab und blickt seinem Gegenüber mit rollenden Augen entgegen. „Schlachtfeld, ich bin im falschen Jahrhundert geboren!“ Schlachtfeld nickt emotionslos.
„Ich kann diese Leute einfach nicht ertragen Schlachtfeld! Ihre zurückgebliebenen Sprüche, ihren Anblick. Nicht nur, dass diese Menschen sich weigern den Schweißdrüsenverödungsstab zu verwenden, die rasieren sich ja noch nicht einmal die Achselhaare! Haben diese Menschen etwa bei der Erfindung der Rasierklinge auch mit Gesundheitsargumenten demonstriert?! Die sind anscheinend stolz darauf! Verstehen Sie das? Verstehen sie das Schlachtfeld?“ Abermals schüttelt Schlachtfeld den Kopf, und wieder, keinerlei Anzeichen an Emotion. „Zu alledem müssen diese Kreaturen trägerlose Hemden anziehen! Ach, wie ich mich nach dem Winter sehne, dann bleibt mir wenigstens der Anblick dieser widerwärtigen Achselhaare erspart. Ich hasse diese Leute von der Gesundheitspartei Schlachtfeld, ich hasse sie abgrundtief!“
Erschöpft von seinem Gefühlsausbruch stützt sich Rosenbusch an Schlachtfelds Oberarm, um nicht umzufallen, rutscht dabei aber beinahe ab, und kann sich im letzten Augenblick noch fangen. Schlachtfeld putzt seinen Anzug vorsichtig, aber sichtlich angewiedert ab und sagt selbstbeherrscht: „Das sind doch nur eine Handvoll Leute die es genießen, viel Lärm zu machen. Hunde die Bellen beißen nicht. Unser Propaganda-Bataillon hat alles unter Kontrolle...“
Rosenbusch aber hört ihm schon längst nicht mehr zu und hat stattdessen zur Fernbedienung gegriffen. Dieser Schlachtfeld mit seinem selbstbewussten Gehabe geht ihm ordentlich auf die Nerven! Es gefaellt ihm gar nicht, dass dieser Mann, der in der Rangordnung unter ihm steht, ihm, dem Generaldirektor, ebenbürtig erscheinen will. Es grenzt an Beleidigung, dass dieser impertinente Donald Schlachtfeld beinahe schon mehr Orden auf seinem Jackett trägt als er, und als wäre das nicht genug, sind im letzten Jahr auch seine Schulterpolster um zwei Groessen gewachsen. Von der Ferne kann man schon kaum mehr unterscheiden wer von beiden der Generaldirektor ist. Genervt schaltet Rosenbusch den Fernseher ein.
Schlachtfeld wiederum beobachtet wie Georg Walter Rosenbusch in seinem thronhaften Chefsessel versinkt um die Börsennachrichten zu verfolgen. Dieser inkompetente Rosenbusch! murmelt er in sich hinein. Doch er, Donald Schlachtfeld, muss Haltung wahren. Dank der Arbeit von Claude Rüdiger von Wunderbar, wurde die Entscheidungsverantwortung auf die nächste Hierarchieebene verschoben, zu ihm, Donald Schlachtfeld, Marketingoberst der Hamster AG. Er und seine Kameraden sind zuständig für Finanzen, Personal, und Forschung&Entwicklung. Unter dem Vorwand des vielseitig lobgepriesenen ‘Bottom-Up’ war es dem Beraterstab von Claude Rüdiger gelungen, Rosenbusch von dieser Maßnahme zu überzeugen. Einem solchen Vorschlag von Schlachtfelds Seite hätte Rosenbusch nie zugestimmt. Deswegen hatte er unter einem anderen Vorwand das externe Beraterteam angestellt. Dagegen war schwer etwas einzuwenden. Dennoch hatte Schlachtfeld gemeinsam mit den anderen Oberst-kameraden gezittert. Nicht, dass sie jemals untereinander offen darüber gesprochen hätten, man kann ihnen also kein Komplott unterstellen, man hatte lediglich die Zeichen der Zeit zum eignen Vorteil genutzt. Um seinen Grinser zu verbergen dreht sich Schlachtfeld zum Fester.
Während Rosenbusch weiterhin gebannt den Börsennachrichten folgt, streift nun Schlachtfelds Blick über die Donau. Dieser einfältige Rosenbusch glaubt tatsächlich, dass man dieses ‘Bottom-Up’ auch wirklich im ganzen Konzern umgesetzt hat, von wegen! Um den Schein zu wahren wurden zwar einige belanglose aber durchaus außenwirksame Vorschläge der Beraterfirma implementiert, die meisten innerhalb und außerhalb des Unternehmens haben auch brav den Köder gefressen, und die Presse, er lacht, ja die war dabei besonders hilfreich...„Was?!?“, schreit Georg Walter Rosenbusch und unterbricht Schlachtfelds Gedankenspiele. „Das kann doch nicht sein!“
Aus dem Fernseher ertönt die Meldung, der Aktienkurs der Hamster AG sei zum ersten mal seit zwanzig Jahren um zwei Prozentpunkte gefallen. „Schlachtfeld! Wie ist das möglich? Schachtfeld!!!“ Doch dieser reagiert nicht auf die Hysterie seines Vorgesetzten sondern hängt schon längst an den Lippen der Nachrichtensprecherin. Der deutsche Pharmakonzerns TTMT, Tabletten Tabletten und Mehr Tabletten, habe soeben in einer kurzfristig einberufenen Sonderpressekonferenz, die Produkteinführung eines neuen revolutionären Schweißdrüsenverödungsstabs angekündigt. Diesem Schweißdrüsenverödungsstab liege eine andere Technologie zugrunde als dem patentierten Stab der Hamster AG. Die weltweite Werbekampagne werde ab morgen gestartet, in einer Woche seien die Produkte auch im Handel erhältlich. „Eine neue Technologie mit besserer Wirkung als die herkömmlichen Stäbe von Hamster“ sagt die Ansagerin euphorisch bevor sie die Zuseher in den Werbeblock verabschiedet...
Hunderte Menschen strömen durch das Eingangstor der Hauptzentrale der Hamster AG und begrüßen einander mit dem Ausspruch ‘Fleiß ohne Schweiß!’. Ihre digitale Mitarbeiterkarte verschafft ihnen Eintritt in das hochsicherheitstechnisch abgeschottete Betriebsgelände. Auch Lieselotte Leiterrauf marschiert durch jenes Tor. Es ist ihr erster Arbeitstag. Stolz schiebt sie ihre Karte in das Lesegerät. Stolz, denn es war schon immer ihr Traum für ein so renommiertes Unternehmen arbeiten zu dürfen, und heute geht ihr Traum endlich in Erfüllung.
Sie weiss genau wohin sie muss, ins vorletzte Stockwerk. Doch bevor sie sich an einem der unzähligen Aufzüge anstellen darf, muss sie die imposante Eingangshalle durchqueren, vorbei an der menschengroßen Skulptur des laufenden Hamsters im Rad, der von einem zwei Meter hohen Marmorpodest auf sie hinunter lächelt, vorbei an den unzähligen überdimensionalen Anzeigetafeln, die wichtige unternehmensinterne Meldungen verkünden: Auszeichnungen der Mitarbeiter für besondere Verdienste, den aktuellen Aktienkurs, sowie den Spruch des Tages. Heute lautet er: “Auf in den Kampf!”
Auf einer anderen Anzeigetafel wird im Minutentakt das Eintreffen aller Mitarbeiter sowie deren Verlassen des Betriebsgeländes aufgezeigt, und gerade, als sie in den Aufzug steigen will, sieht sie wie auch ihr Name eingeblendet wird. Während die Türen vor ihrer Nase schliessen, wird Liseselotte warm ums Herz. Im Aufzug stehend erfreut sie sich des Anblicks jener Kameraden die bereits breite Schulterpolster tragen. Noch ist sie eine Jungrekrutin, noch darf sie nicht viel, aber bald wird auch ihr erlaubt sein breitere Schulterpolster zu tragen. Bald, ja sehr bald, dessen ist sie sich sicher, denn ‘Fleiß ohne Schweiß!’ war schon seit jeher ihr Lebenskonzept.
Im der Kommandozentrale herrscht angespannte Stimmung. Die ranghöchsten Angestellten, jene mit den breitesten Schulterpolstern und den meisten Orden, sprechen schroffen Tones mit den weniger geschmückten und kleiner geschulterten Mitarbeitern die sich emsig mit ihren multifunktionalen Mobiltelefonen um die aktuellsten Informationen und Analysen bemühen. Alle im Raum Anwesenden tragen am rechten Arm eine Schleife mit einem runden Abzeichen darauf, die Unternehmensflagge. Es ist ein goldbrauner Hamster in Laufrad.
Georg Walter Rosenbusch betritt, gefolgt von drei magersüchtigen Assistentinnen, den Raum. Augenblicklich verstummt die Hektik der Mitarbeiter, die Plätze werden eingenommen. Sichtlich geschäftig stiefeln die eng berockten Damen mit streng nach hinten gebundenem Haar dem grimmigen Generaldirektor hinterher Er widerrum erteilt eifrig Befehle. Eine folgt ihm, auf ihren turmhohen Absätzen wankend, das Diktiergerät ihm dicht an sein Gesicht gehalten. Die andere telefoniert, ihre Augenbrauen eng aneinander liegend, ihre Stirn von Falten übersät. Die dritte im Bunde, die Frau mit den breitesten Schultern, marschiert mit verschränkten Armen und hoch erhobenen Hauptes. Ihr Blick gleicht dem eines Wachhundes, ihr Name, Ludmilla Lachtnix.
„Meine Damen und Herren!”, sagt Rosenbusch während er ruckartig halt macht und sich mit beiden Händen am lang gestreckten Besprechungstisch aufstützt, “Wir wurden heute angegriffen. Tabletten Tabletten und mehr Tabletten war immer schon unser größter Feind, doch auf dem Gebiet der Schweißdrüsenverödungsstäbe hatten wir bislang die Nase vorne.“ Rosenbusch macht eine Beteutungsschwangere Pause, fokussiert seinen Blick ins unendliche, dann erst setzt er sich. Es herrscht betretenes Schweigen.
Ja, das kann er, Reden halten, die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer gewinnen, resolut und beherrscht wirken. Und jetzt? Was jetzt? Irgendwas muss er sagen, irgendetwas was wichtig klingt. Aber was?! Als ob die moderaten Gewinnzuwächse der vergangenen Jahre nicht schlimm genug gewesen wären, muss er nun auch diese Niederlage erleiden, und nur wegen dieses heimtückischen Angriffs aus dem Hinterhalt! So eine Gemeinheit aber auch, damit hatte er einfach nicht gerechnet. Zutiefst verzweifelt ringt Georg Walter Rosenbusch innerlich nach seinen nächsten Worten. Unverzüglich, ja unverzüglich muss er das Steuerrad ergreifen, muss endlich zu jenem Menschen werden, der er immer schon sein wollte. Er, Georg Walter Rosenbusch muss zum würdigen Nachfolger von Ladislaus Amadeus Hamster werden. Er muss ernst dreinschauen! Er muss nachdenklich seine Stirn runzeln! Er muss ...er muss....was muss er? Aehhh, jetzt hat er den Faden verloren! Um von seiner aufkommenden Verzweiflung abzulenken, haut er auf den Tisch und schreit inbrünstig
“Ludmilla!”
Ludmilla, die knapp hinter ihm steht zögert “Ja, Herr Generaldirektor?”
“Ach da sind sie ja”, sagt Rosenbusch kleinlaut, “Bringen sie das Ding!”
“Welches Ding?” Fragt sie verwirrt. Die Augen der Frau, die sonst sehr resolut wirkt, zeugen nun von hoechster Unwissenheit.
“Na das Ding Ludmilla, für die Besprechung, wir brauchen es unbedingt damit wir beginnen können. Sie wissen schon!”
“Aber...”
“Kein aber. Das ist ein Befehl Ludmilla! Wir haben keine Zeit für Diskussionen. In solchen Zeiten gibt es keine Zeit für Diskussionen. Nun gehen sie schon, gehen sie! Schliesslich kann ich ohne das ‘Ding’ nicht anfangen!” Rosenbusch winkt sie mit seiner rechten Hand zur Tür hinaus. Es folgt ein kurzes erleichtertes Durchatmen, dann aber überkommt ihn wieder die Verzweiflung. Und was jetzt?
Doch bevor er diesen niederschmetternden Gedanken fertig denken kann, erhebt sich Donald Schlachtfeld und ergreift das Wort, ”Vielleicht sollte ich? Herr Direktor? Bis Ludmilla das ‘Ding’ gebracht hat?” Schlachtfeld sagt es so, als wäre das ominöse ‘Ding’ etwas sehr respektables, doch wer ihn gut kennt, der weiss genau, dass sich hinter seinem selbstbeherrschten Gesichtsausdruck, tiefe Verachtung verbirgt.
“Ja, machen sie das Schlachtfeld, machen sie, von mir aus, aber bitte machen sie schon!” Rosenbusch winkt abfällig, als sei er unbeeindruckt. Unbeeindruckt, weil er den anderen vermitteln will, dass eigentlich er, als Generaldirektor, etwas viel wichtigeres zu sagen gehabt hätte.
“Die Lage ist dramatischer als befürchtet!”, erklärt Donald Schlachtfeld während er mit verschränkten Armen im Konferenzraum auf und ab marschiert. “Das feindliche Produkt von TTMT verödet die Schweißdrüsen sogar um 30% länger als unsere herkömmlichen Stäbe!” Schockiertes Raunen zieht sich durch die Kommandozentrale der Hamster AG. Georg Walter Rosenbusch erstarrt, die restlichen Herren und Damen wechseln entsetzte Blicke.
“Ausserdem!” Schlachtfeld bleibt stehen, blickt seinem Publikum in die Augen und erhebt den rechten Zeigefinger, “Ausserdem implantieren die Stäbe von TTMT beim veröden der Schweißdrüsen einen Mikroduftchip. Jawohl! Einen Duftchip für langanhaltenden Parfümersatz! Laut Information der Unternehmensspionen soll es sogar eine sehr grosse Auswahl an unterschiedlichen Duftsorten geben...”
Was?” schreit Rosenbusch und springt auf, “Warum sind wir nicht auf diese Idee gekommen? Schlachtfeld, warum haben wir nicht schon vorher daran gedacht?“
Schlachtfelds Blick richtet sich zu Norbert Neunmalklug, dem Oberst fur Forschung & Entwicklung. Dieser aber weist die vorwurfsvollen Blicke lautstark zurück. “Das ist nicht unser Versagen Schlachtfeld! Wir bekommen unsere Anweisungen von ihrem Propaganda Bataillon.”
Lieber Oberst Neunmalklug”, sagt Schlachtfeld und versucht zu besänftigen, “Wir suchen hier doch nicht nach Schuldigen, aber ihr Bataillon ist nun mal für die Innovationen zuständig!”
“Wie bitte?!?” Norbert Neunmalklug stemmt Arme auf den Tisch als wolle er sich zum Duell mit Schlachtfeld erheben, ”Mein Forschungs- & Entwicklungsbatallion hat von ihnen nie diesen Auftrag bekommen! Schliesslich ist Propaganda dafür zuständig neue Produktstrategien zu entwickeln. Lenken sie nicht von sich ab Schlachtfeld! Sie hängen mit uns in einem Boot!”
Donald Schachtfeld räuspert sich, rückt seine Krawatte zurecht und dreht sich abermals zum Generaldirektor. "Es ist jetzt keine Zeit für Vorwürfe Herr Direktor...Außerdem darf man nicht vergessen, dass mein PR-Bataillon in den vergangenen Monaten ausschließlich mit Schadensbegrenzung den Konzernimages beschäftigt war. Die immer lauter werdenden Stimmen der Gesundheitspartei waren dem gesamten Marketingstab ein Dorn im Auge. Dennoch haben wir es mit viel Arbeitsaufwand und Kreativität geschafft, der Negativpropaganda seitens der Gesundheitsfritzen entgegenzuwirken und ein positives Produkt- und Konzernimage aufrechtzuerhalten..."
Georg Walter Rosenbusch kneift seine Augen zusammen. Er hatte sich schon so gefreut endlich diesen eingebildeten Donald Schachtfeld für einen groben Fehler festnageln zu können.
Überhaupt, meint Schlachtfeld während er wieder im Raum auf und ab stolziert, überhaupt habe er schon seit geraumer Zeit das Gefühl, dass die Moral der Konzernmannschaft leide! Donald Schachtfeld schnalzt die Absätze seiner blank polierten Schuhe gegeneinander, macht eine ruckartige Linksdrehung und richtet einen beteudungsschwangeren Blick an Katharina Knechtsberger.
Katharina Knechtsberger, ihreszeichens Leiterin für Personal- und Rekrutierungsangelegenheiten, springt augenblicklich aus ihrem Sessel und schreit, “Wie bitte?!”
Doch Donald Schlachtfeld beachtet sie gar nicht und setzt statt dessen fort: “Das ist jetzt aber eigentlich nebensächlich Herr Direktor” und richtet sich mit einem frommen Dackelblick wieder zu Rosenbusch waehrend er sein Jackett abputzt. “Wir brauchen rasche Lösungen Herr Direktor, keine Jagd nach den Schuldigen.”
“Natürlich brauchen wir einen schuldigen Schlachtfeld!” Der Generaldirektor hat sich aus seinem Sessel erhoben und zeigt mit dem Finger auf alle seine Feldmarschälle: “Ich mache Sie alle verantwortlich für dieses Desaster... Sie, Sie und Sie! Und die Spione! Wofür haben wir denn diese Spione? Wofür werden sie hochbezahlt? Was haben die bisher getan? Damit wir so etwas erst in der Endphase eines feindlichen Hinterhalts aus den Medien hören müssen? Haben die geschlafen? Waren die Herrschaften etwa betrunken?!?“ Rosenbusch stemmt seine Arme resolut in die Hüften, hebt seinen Kopf, Blickt in die Ferne als wuerde er fuer ein Gemaelde posieren. Trotz seines unbändigen Ärgers schafft er es selbstbeherrscht zu wirken. Innerlich aber kocht er, hüpft auf und ab wie ein Rumpelstilzchen. Vor lauter Wut auf Schlachtfeld und dessen inkompetenten Marketingstab, auf seinen phantasielosen Forschungs- und Entwicklungsstab, auf sich selber und auf die ganze Welt die sich offensichtlich gegen ihn verschworen hat. Was werden blos die Leute über ihn denken? Was werden die Medien morgen über ihn berichten? Schon deutlich sieht er die Schlagzeilen vor seinem geistigen Auge:
Rosenbusch versteckt sich hinterm Busch!!!
Rosenbusch lässt sich in seinen Sessel zurückfallen und blickt fragend zu Schlachtfeld, “Und was ist mit den Wärmehaushaltsregulierenden Tabletten?”
“Da müssen wir uns keine Sorgen machen Herr Generaldirektor.” antwortet statt dessen der Leiter der Rechtsabteilung schmunzelnd. “Die hat TTMT nicht neu erfunden. Das Patent läuft erst in 77 Jahren aus. Jene Kunden die in Zukunft TTMT Stäben kaufen müssen trotzdem unsere Wärmehaushalts-regulierenden Tabletten erwerben um nicht zu überhitzen”
“Das ist ein Wermutstropfen, aber kein Grund zu Freude” rügt ihn Rosenbusch. “Wir müssen an unser Image denken. Das Image des Konzerns! Was solle man den jetzt von Hamster halten? Wir muessen einen Schuldigen finden Schlachtfeld! Was ist mit den Spionen? Denen können wir doch den schwarzen Peter zuweisen, oder..?”
Das geht doch nicht Herr Direktor, auch wenn hier unsere Spione versagt haben, können ja in der Öffentlichkeit nicht zugeben, dass wir Unternehmensspione haben...”
"Hmmm..." Rosenbusch runzelt nachdenklich die Stirn: “Haben etwa die Anwälte patentrechtliche Aspekte verschlafen?”
Nun protestiert die Rechtsabteilung. Sie weist alle Vorwürfe von sich. Rechtlich gesehen könne man nur die Technologie schützen, nicht aber eine abstrakte Idee. Schuld sei die mangelnde Innovationskraft bei Hamster wird betont, dann richten sich die Blicke zu Norbert Neunmalklug.
Hab’ ich's doch gesagt!” bestätigt Schlachtfeld selbstzufrieden.
Das gibt's doch nicht...Sie, SIE!!!” Schreit Neunmalklug, springt aus seinem Sessel und kann von seinen Kollegen nur mühsam davon abgehalten werden, sich nicht auf die Rechtsabteilung und Schlachtfeld zu stürzen.
Im Strum gegenseitiger Vorwürfe steigt der Lärmpegel im Konferenzraum. Mit erhobenen Händen schreien die Hamster Mitarbeiter aufeinander ein. Kein Wort ist mehr vom anderen zu unterscheiden, bis sich die Flügeltüre zum Kommandozentrale öffnen und Engelsmusik ertönt.
Ein leichter Wind haucht durch den Raum während Claude Rüdiger von Wunderbar seinen Auftritt macht. Der Anblick dieses blond gelockten Mannes laesst alle Anwesende augenblicklich verstummen. Gefolgt von seinem Beraterstab schreitet er zum Podium.






Claude Rüdiger von Wunderbar. Wie immer glänzt sein Haar als wäre er frisch in den Geeltopf gefallen. Seine Anzug ist von feinster Qualität, seine Medaillen glänzen blanker als die aller anderen, sein strahlendes Lachen und eloquentes Auftreten lassen die Anwesenden im Raum augenblicklich verstummen.
Alle Augen sind auf ihn gerichtet während er seinen Klapprechner öffnet und eine beeindruckende multimediale Präsentation hält. Seine Rede, gespickt mit geflügelten Worte, die keiner versteht, aber jeden beeindruckt. Seine Rhetorik, einwandfrei.
Es geht im Leben nicht darum was man sagt, das weiss Claude Rüdiger nur allzu gut, sondern wie man es sagt. Es geht um den richtigen Einsatz von Information und Pause, von Spannung und Entspannung, vom richtig gespannten dramaturgischen Bogen. Die beste Idee kommt schlecht präsentiert einfach nicht an. Stimme macht Stimmung, Ausdruck macht Eindruck! Der Zuhörer zieht daraus nun mal Rückschlüsse auf seine Idee, die Firma die er repräsentiert, auf ihn, Claude Rüdiger von Wunderbar.
Ja, so ist das nun einmal! Wortwahl, Syntax, Gestik müssen wohl gewählt sein. Der Berater lockert seine Krawatte, rauspresset sich, dann stellt den allerneueste Begriff der Betriebswirtschaftslehre vor: ‘VEREINFACHEN!’
Um, so betont Claude Rüdiger, erfolgreich ein Unternehmen zu führen müsse man Prioritäten setzten können. Man muss sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren. Man muss alles so einfach wie möglich halten! Denn, so sagt er mit erhobenem Finger, in einer zunehmend komplexen und globalen Welt, in der alles wichtiger und immer dringender erscheint, in einer Zeitalter, in der man ständig von einem Ozean von niemals endender Informationen zu ertrinken droht, ja in so einer Welt könne man nur...nur durch Einfachheit siegen!
Effektvolle Klänge und gefühlsduselige Musik untermauern die jeweiligen Inhalte seiner Aussagen während dreidimensionale Tortengrafiken, Videos und Texte in und aus den Bildschirm fliegen „Umstrukturung... Wert-schöfpfungsketten ...optimieren! optimieren! optimieren!“, sagt Claude Rüdiger und beendet seine Eröffnungsrede, die nicht nur allen anderen, sondern vor allem ihm selbst den Atem geraubt hat.
Der Berater legt eine Pause ein, blickt in den Raum und fährt erklärend fort: ‘Gesundschrumpfen!’ Das, sei das wahre Geheimnis eines erfolgreichen Unternehmens. Dafür aber müsse man sich auf das Wesentliche konzentrieren. Nur dann könne man es auch in der heutigen Zeit einfach haben. Einfach! Einfach! Einfach! Denn erfolgreiche Unternehmensführer hätten nur einen Beruf: Sie seinen nun mal Vereinfacher. Sie vermeiden unnötige Produktdiversifizierung, unnötige Meetings oder unnötige Mitarbeiter. Schluss mit Ineffizient! Schluss mit Kompliziert! Her mit Einfach!”
Die anwesenden Hamster Mitarbeiter hängen an Claude Rüdigers Lippen. Berauscht von seinen Worten, merken sie nicht, was sich unmittelbar neben ihnen abspielt. Nur Lieselotte Leitterrauf ist dabei sich umzudrehen. Aus dem Augenwinkel hat sie gesehen, wie entlang der Glasfassade grosse Brocken herabfallen. Doch kaum will sie sich umdrehen, kaum will sie sehen, was da draussen eigentlich geschieht, zieht Claude Rüdigers Rede sie wieder in seinen Bann. Auch der kurz darauffolgende dumpfe Lärm kann ihre Aufmerksamkeit von ihm nicht mehr ablenken.
Krise als Chance!” sagt Wunderbar während er mit seinem Beraterstab aufs sein Publik zeigt, “das ist und war schon immer unser Motto. Nicht zu unrecht sind wir die Nummer Eins in unserer Branche und wollen auch ihnen helfen, es zu werden!“
Während er seine Reden mit einem Lächeln wie aus der Zahnpastawerbung abrundet, wird er mit tosendem Applaus belohnt. Triumphierend hält er seinen Beraterstab in die Hoehe und laesst sich bejubeln. Auch Lieselotte Leiterrauf kann sich nicht zurückhalten ihm zuzujubeln. Auch sie will eines Tages so werden wie Claude Rüdiger von Wunderbar.
fortsetzung folgt ...
Illustrations by Kris Kind
The illustrations were originally conceived as integral parts of the individual chapters and presented alongside the text on the novel’s dedicated website, which is no longer online. They are reproduced here separately, outside their original narrative context and without the layout and presentation in which they were initially intended to be experienced.